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Glossar

IT-Sicherheitskonzept: Aufbau und Vorgehen nach BSI

Was ist ein IT-Sicherheitskonzept? Bestandteile, Vorgehen nach BSI IT-Grundschutz, Bezug zu ISO 27001 und wer ein Sicherheitskonzept braucht.

Definition: Ein IT-Sicherheitskonzept beschreibt, wie eine Organisation ihre Informationen und IT-Systeme schĂŒtzt. Es hĂ€lt fest, welche Werte es gibt, wie schutzbedĂŒrftig sie sind und welche Maßnahmen gegen welche Risiken greifen. Es ist der Plan, mit dem Sie die Ziele der Leitlinie in die Praxis bringen.

Oft heißt das Dokument auch Sicherheitskonzept oder Informationssicherheitskonzept. Es ist kein einmaliges Papier. Sie pflegen es weiter, wenn sich Systeme, Prozesse oder Bedrohungen Ă€ndern.

Sicherheitskonzept und Leitlinie: der Unterschied

Die IT-Sicherheitsleitlinie ist das Grundsatzdokument der GeschÀftsleitung. Sie nennt Ziele, Stellenwert und Verantwortung. Das Sicherheitskonzept ist dagegen konkret und technisch.

  • Leitlinie: Warum betreiben wir Informationssicherheit und welche Ziele gelten?
  • Sicherheitskonzept: Welche Systeme haben wir, wie hoch ist ihr Schutzbedarf und mit welchen Maßnahmen schĂŒtzen wir sie?

Die Leitlinie Àndert sich selten. Das Konzept passen Sie laufend an.

Vorgehen nach BSI IT-Grundschutz

Der BSI IT-Grundschutz beschreibt in BSI-Standard 200-2, wie ein Sicherheitskonzept entsteht. Das BSI nennt diesen Teil die Sicherheitskonzeption. Sie besteht aus mehreren Schritten.

Vorher wĂ€hlen Sie eine Vorgehensweise. Die Basis-Absicherung ist ein schneller Einstieg mit grundlegenden Anforderungen. Die Standard-Absicherung deckt den gesamten Informationsverbund umfassend ab. Die Kern-Absicherung konzentriert sich auf besonders wichtige Teile, die „Kronjuwelen“. Die Schritte unten folgen der Standard-Absicherung.

1. Strukturanalyse

Sie erfassen alles, was zum Informationsverbund gehört. Dazu zÀhlen GeschÀftsprozesse, Anwendungen, IT-Systeme, Netze, RÀume und GebÀude. Ein Netzplan hilft, die Verbindungen zu verstehen.

2. Schutzbedarfsfeststellung

FĂŒr jedes Objekt fragen Sie: Wie groß wĂ€re der Schaden, wenn Vertraulichkeit, IntegritĂ€t oder VerfĂŒgbarkeit verloren gehen? Das BSI nutzt drei Kategorien: „normal“, „hoch“ und „sehr hoch“. Die Grundlage sind die Schutzziele der Informationssicherheit.

3. Modellierung

Sie ordnen jedem Objekt die passenden Bausteine aus dem IT-Grundschutz-Kompendium zu. Ein Server bekommt andere Bausteine als ein BĂŒroraum oder eine Webanwendung. Jeder Baustein enthĂ€lt Anforderungen.

4. IT-Grundschutz-Check

Jetzt prĂŒfen Sie, welche Anforderungen schon erfĂŒllt sind. Das Ergebnis ist ein Soll-Ist-Vergleich. Er zeigt, wo LĂŒcken bestehen.

5. Risikoanalyse

Bei hohem oder sehr hohem Schutzbedarf reichen die Standardanforderungen oft nicht. Dann folgt eine Risikoanalyse, etwa nach BSI-Standard 200-3. Sie zeigt, welche zusĂ€tzlichen Maßnahmen nötig sind.

6. Realisierungsplan

Am Ende planen Sie die Umsetzung. FĂŒr jede offene Maßnahme legen Sie fest, wer sie umsetzt, bis wann und mit welchen Mitteln. So wird aus dem Konzept ein Arbeitsplan.

Typische Bestandteile

Ein vollstÀndiges IT-Sicherheitskonzept enthÀlt in der Regel:

  • Geltungsbereich und Bezug zur Leitlinie
  • Übersicht der GeschĂ€ftsprozesse, Anwendungen und Systeme
  • Netzplan
  • Schutzbedarf je Objekt mit BegrĂŒndung
  • Ergebnis der Risikoanalyse
  • Liste der Maßnahmen mit Stand der Umsetzung
  • Realisierungsplan mit ZustĂ€ndigkeiten und Terminen
  • Regeln zur Pflege und PrĂŒfung des Konzepts

Achten Sie darauf, dass das Konzept lesbar bleibt. Lange Tabellen gehören in den Anhang. Vorne stehen die wichtigsten Ergebnisse, damit auch die GeschÀftsleitung den Stand schnell erfassen kann.

HĂ€ufige Fehler

  • Zu groß starten: Wer alles auf einmal erfassen will, wird selten fertig. Ein klar begrenzter Geltungsbereich hilft.
  • Nur Technik betrachten: Prozesse, RĂ€ume und Personal gehören ebenso dazu wie Server und Netze.
  • Kein Realisierungsplan: Ohne ZustĂ€ndigkeiten und Termine bleiben LĂŒcken offen.
  • Keine Pflege: Ein Konzept, das niemand aktualisiert, passt bald nicht mehr zur RealitĂ€t.

Das Sicherheitskonzept in ISO/IEC 27001

ISO/IEC 27001 verwendet den Begriff „Sicherheitskonzept“ nicht. Die Inhalte finden sich aber in mehreren Dokumenten wieder. Die Norm verlangt eine Risikobeurteilung und eine Risikobehandlung.

  • Risikobehandlungsplan: Er legt fest, wie Sie mit jedem Risiko umgehen und welche Maßnahmen Sie umsetzen.
  • ErklĂ€rung zur Anwendbarkeit (Statement of Applicability): Sie zeigt, welche Maßnahmen aus Anhang A Sie anwenden und warum. Ausgeschlossene Maßnahmen begrĂŒnden Sie.

Wer schon ein Konzept nach BSI IT-Grundschutz hat, kann vieles davon fĂŒr ISO 27001 nutzen. Wie Risiken bewertet werden, erklĂ€rt der Eintrag IT-Risikomanagement.

Wer braucht ein IT-Sicherheitskonzept?

GrundsĂ€tzlich hilft ein Sicherheitskonzept jeder Organisation, die von IT abhĂ€ngt. FĂŒr manche ist es aber faktisch Pflicht:

  • KRITIS-Betreiber: Sie mĂŒssen angemessene Vorkehrungen fĂŒr die Sicherheit ihrer Systeme nachweisen.
  • Unternehmen unter NIS2: Die NIS2-Richtlinie verlangt Risikomanagementmaßnahmen. Ein Konzept dokumentiert sie.
  • Behörden und Kommunen: Viele öffentliche Stellen arbeiten nach BSI IT-Grundschutz oder mĂŒssen ein Sicherheitskonzept vorlegen.
  • Zulieferer und Dienstleister: Kunden fragen in Ausschreibungen und Audits immer öfter nach einem dokumentierten Sicherheitskonzept.

Ein Sicherheitskonzept ist ein zentraler Teil eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS). Verantwortlich fĂŒr die Pflege ist meist der Sicherheitsbeauftragte oder der CISO.

HĂ€ufige Fragen

Wie lange dauert es, ein IT-Sicherheitskonzept zu erstellen?

Das hĂ€ngt von GrĂ¶ĂŸe und KomplexitĂ€t ab. Ein kleiner Informationsverbund ist schneller erfasst als viele Standorte mit eigener IT. Beginnen Sie mit den wichtigsten GeschĂ€ftsprozessen und erweitern Sie dann.

Wie oft muss das Konzept aktualisiert werden?

Immer dann, wenn sich Wichtiges Ă€ndert, etwa neue Systeme, Standorte oder Bedrohungen. ZusĂ€tzlich sollten Sie es in festen AbstĂ€nden prĂŒfen, zum Beispiel bei der jĂ€hrlichen Managementbewertung.

Kann ich das Konzept extern erstellen lassen?

Ja. Viele Unternehmen holen sich Hilfe, weil intern Zeit oder Erfahrung fehlen. Ein externer Informationssicherheitsbeauftragter oder eine ISMS-Beratung unterstĂŒtzt dabei. Die Verantwortung bleibt aber bei der GeschĂ€ftsleitung.

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