Definition: SSL/TLS sind Verschlüsselungsprotokolle, die Daten auf dem Weg zwischen zwei Systemen schützen – etwa zwischen Browser und Webserver bei HTTPS. TLS (Transport Layer Security) ist der Nachfolger des veralteten SSL (Secure Sockets Layer); heute gelten TLS 1.2 und TLS 1.3 als sicher. Zertifikate belegen dabei die Identität des Servers.
Was bedeutet SSL/TLS?
SSL steht für Secure Sockets Layer, TLS für Transport Layer Security. Beide sind Protokolle, also feste Regeln dafür, wie zwei Rechner eine sichere Verbindung aufbauen.
TLS ist der Nachfolger von SSL. Heute ist fast immer TLS im Einsatz. Trotzdem spricht man oft noch von „SSL“, etwa beim „SSL-Zertifikat“. Der alte Name hat sich gehalten.
SSL/TLS schützt drei Dinge:
- Vertraulichkeit: Niemand auf dem Weg kann die Daten mitlesen. Siehe Verschlüsselung.
- Integrität: Werden Daten unterwegs verändert, fällt das auf.
- Authentizität: Das Zertifikat zeigt, dass Sie mit dem echten Server sprechen.
Von SSL zu TLS: die Versionen
- SSL 2.0 (1995) und SSL 3.0 (1996): von Netscape entwickelt. Beide gelten als gebrochen und sind verboten.
- TLS 1.0 (1999) und TLS 1.1 (2006): seit 2021 offiziell veraltet. Moderne Browser unterstützen sie nicht mehr.
- TLS 1.2 (2008): weiterhin sicher, wenn nur starke Verfahren erlaubt sind.
- TLS 1.3 (2018): der aktuelle Standard. Schneller und sicherer, weil schwache Verfahren ganz entfernt wurden.
Das BSI empfiehlt in seiner Technischen Richtlinie TR-02102-2 den Einsatz von TLS 1.2 und TLS 1.3.
So funktioniert der TLS-Handshake
Bevor Daten fließen, handeln Browser und Server die Verbindung aus. Dieser Ablauf heißt Handshake. Bei TLS 1.3 sieht er vereinfacht so aus:
- Client Hello: Der Browser nennt die Verfahren, die er beherrscht, und schickt gleich einen Teil für den Schlüsselaustausch mit.
- Server Hello: Der Server wählt ein Verfahren aus und schickt seinen Teil des Schlüsselaustauschs.
- Zertifikat: Der Server schickt sein Zertifikat und beweist, dass er den passenden privaten Schlüssel besitzt.
- Prüfung: Der Browser prüft das Zertifikat. Stimmt der Domainname? Ist es noch gültig? Stammt es von einer vertrauenswürdigen Zertifizierungsstelle?
- Verschlüsselte Verbindung: Beide Seiten berechnen denselben Sitzungsschlüssel. Ab jetzt sind alle Daten verschlüsselt.
Zwei Arten von Verschlüsselung arbeiten dabei zusammen. Der Schlüsselaustausch nutzt asymmetrische Verfahren, meist ECDHE. Die eigentlichen Daten werden symmetrisch verschlüsselt, etwa mit AES. Das ist viel schneller.
TLS 1.3 nutzt für jede Verbindung einen neuen Schlüssel. Das nennt man Perfect Forward Secrecy. Selbst wer später den privaten Schlüssel des Servers stiehlt, kann alte Verbindungen nicht nachträglich entschlüsseln.
Zertifikate und Zertifizierungsstellen
Ein TLS-Zertifikat ist der digitale Ausweis eines Servers. Es enthält den Domainnamen, einen öffentlichen Schlüssel und die Unterschrift einer Zertifizierungsstelle (Certificate Authority, CA). Browser vertrauen einer festen Liste solcher Stellen. Das Ganze ist Teil einer Public Key Infrastructure (PKI).
- Domain Validation (DV): Die CA prüft nur, dass der Antragsteller die Domain kontrolliert. Solche Zertifikate gibt es auch kostenlos, etwa von Let's Encrypt.
- Organization Validation (OV): Zusätzlich wird das Unternehmen geprüft.
- Extended Validation (EV): Die Prüfung ist am strengsten. Browser heben EV-Zertifikate heute aber nicht mehr besonders hervor.
Die Laufzeit wird kürzer. Seit März 2026 dürfen öffentliche TLS-Zertifikate höchstens 200 Tage gültig sein. Bis 2029 sinkt die Grenze schrittweise auf 47 Tage. Wer Zertifikate noch von Hand erneuert, sollte auf Automatisierung umstellen, etwa mit dem ACME-Protokoll.
Wo SSL/TLS eingesetzt wird
- Webseiten: HTTPS ist HTTP über TLS. Das Schloss in der Adressleiste zeigt eine verschlüsselte Verbindung.
- E-Mail: Mailserver verschlüsseln den Transport über STARTTLS oder direkt per TLS.
- VPN: Viele VPN-Lösungen bauen ihren Tunnel mit TLS auf.
- Programmschnittstellen: Apps und Dienste sprechen über APIs fast immer per TLS miteinander.
- Gegenseitige Prüfung (mTLS): Hier weisen sich beide Seiten mit Zertifikaten aus, etwa zwischen Servern in der Cloud.
Angriffe und Schwachstellen
TLS selbst ist sicher, wenn es aktuell und richtig eingestellt ist. Probleme entstanden vor allem durch alte Versionen, schwache Verfahren und Fehler in der Software:
- POODLE (2014): nutzte eine Schwäche in SSL 3.0. Seitdem ist SSL 3.0 überall abgeschaltet.
- BEAST (2011): griff Verbindungen mit TLS 1.0 an.
- Heartbleed (2014): kein Fehler im Protokoll, sondern in der Bibliothek OpenSSL. Angreifer konnten Speicher auslesen, darunter private Schlüssel.
- Downgrade-Angriffe: Ein Angreifer zwingt beide Seiten auf eine alte, schwache Version. Dagegen hilft nur, alte Versionen ganz abzuschalten.
- Man-in-the-Middle: Ohne gültige Zertifikatsprüfung kann sich ein Angreifer dazwischenschalten. Siehe Man-in-the-Middle-Angriff.
Best Practices für eine sichere Konfiguration
- Nur TLS 1.2 und 1.3 erlauben: SSL, TLS 1.0 und TLS 1.1 abschalten.
- Starke Verfahren wählen: Schlüsselaustausch mit Forward Secrecy und moderne Verschlüsselung wie AES-GCM oder ChaCha20-Poly1305.
- Zertifikate automatisieren: Erneuerung per ACME, Ablaufdaten überwachen.
- HSTS aktivieren: Damit erzwingt der Browser HTTPS und lässt sich nicht auf HTTP zurückstufen.
- Private Schlüssel schützen: Zugriff eng begrenzen, bei Verdacht sofort tauschen.
- Regelmäßig prüfen: Konfigurationen ändern sich. Ein Scan zeigt, ob noch alte Versionen oder schwache Verfahren aktiv sind.
SnapScan meldet schwache TLS-Einstellungen und ordnet sie dem BSI-Baustein CON.1 Kryptokonzept und ISO 27001 A.8.24 zu.
TLS und Quantencomputer
Leistungsfähige Quantencomputer könnten die heutigen Verfahren für den Schlüsselaustausch eines Tages brechen. Angreifer könnten schon jetzt Daten sammeln und später entschlüsseln. Deshalb wird TLS gerade um Post-Quanten-Verfahren erweitert. Große Browser nutzen bereits einen hybriden Schlüsselaustausch: ein klassisches Verfahren kombiniert mit dem neuen Standard ML-KEM. Mehr dazu unter Post-Quanten-Kryptographie.
Fazit
SSL/TLS ist die Grundlage für sichere Verbindungen im Internet. SSL ist veraltet, heute läuft TLS. Sicher sind TLS 1.2 und TLS 1.3 mit starken Verfahren und gültigen Zertifikaten. Wer alte Versionen abschaltet, Zertifikate automatisch erneuert und die Konfiguration regelmäßig prüft, ist gut aufgestellt.
Häufige Fragen zu SSL/TLS
Was ist SSL/TLS einfach erklärt?
SSL/TLS verschlüsselt die Verbindung zwischen zwei Rechnern, etwa zwischen Ihrem Browser und einer Webseite. Niemand dazwischen kann mitlesen oder Daten verändern. Ein Zertifikat zeigt außerdem, dass Sie wirklich mit dem richtigen Server sprechen.
Was ist der Unterschied zwischen SSL und TLS?
TLS ist der Nachfolger von SSL. Alle SSL-Versionen gelten heute als unsicher und sind abgeschaltet. Wenn heute von SSL die Rede ist, etwa bei einem „SSL-Zertifikat“, ist in Wahrheit fast immer TLS gemeint. Der alte Name hat sich einfach gehalten.
Welche TLS-Version ist sicher?
TLS 1.2 und TLS 1.3 gelten als sicher, wenn sie richtig konfiguriert sind. Das BSI empfiehlt in der Technischen Richtlinie TR-02102-2 genau diese beiden Versionen. TLS 1.0 und 1.1 sind seit 2021 offiziell veraltet und sollten abgeschaltet sein.
Was hat HTTPS mit TLS zu tun?
HTTPS ist das normale Web-Protokoll HTTP, übertragen durch eine TLS-Verbindung. Das „S“ steht für „secure“. Das Schloss in der Adressleiste zeigt, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Es sagt aber nichts darüber, ob die Seite selbst vertrauenswürdig ist.
Was ist ein SSL-Zertifikat?
Ein SSL- oder TLS-Zertifikat ist ein digitaler Ausweis für einen Server. Es enthält den Namen der Domain und einen öffentlichen Schlüssel. Eine Zertifizierungsstelle (CA) bestätigt mit ihrer Unterschrift, dass beides zusammengehört.
Wie lange ist ein TLS-Zertifikat gültig?
Die Laufzeit öffentlicher Zertifikate wird schrittweise kürzer. Seit März 2026 sind höchstens 200 Tage erlaubt. Bis 2029 sinkt die Grenze auf 47 Tage. Ohne automatische Erneuerung, etwa über das ACME-Protokoll, ist das kaum noch zu schaffen.
Weitere Begriffe in „Netzwerksicherheit“
- Air Gap
- DDoS
- Deep Packet Inspection (DPI)
- Demilitarisierte Zone (DMZ)
- DNS Security
- Firewall
- Intrusion Detection System (IDS)
- Intrusion Prevention System (IPS)
- Man-in-the-Middle (MITM)
- Network Access Control (NAC)
- Netzwerksegmentierung
- Rogue Access Point